Die Einspeisevergütung ist für kleine Photovoltaik-Mieterstromprojekte in Deutschland ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Ohne diese Vergütung drohen zahlreiche Vorhaben, die Mietern günstigen Solarstrom ermöglichen könnten, unwirtschaftlich zu werden. Der Verlust der Vergütung wirkt sich nicht nur auf die Investitionsrentabilität aus, sondern gefährdet auch den breiteren Zugang zu erneuerbaren Energien im Mietwohnungssektor.
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Wirtschaftliche Lage ohne Einspeisevergütung
Eine Studie des Öko-Instituts aus dem Jahr 2022 belegt, dass 80 % der kleinen Mieterstromanlagen ohne die Einspeisevergütung nicht mehr tragfähig sind. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Vergütung mehr als nur eine Zusatzrendite darstellt – sie ist ein Kernbestandteil des Geschäftsmodells.
Studienergebnisse des Öko-Instituts
- 80 % der kleinen Mieterstromanlagen wären ohne Einspeisevergütung nicht wirtschaftlich (2022, Studie des Öko-Instituts).
- Weniger als 5 000 Photovoltaik-Mieterstromanlagen sind derzeit in Deutschland registriert (2023, Quelle S1).
IW-Studie zu den Auswirkungen des EEG-Wegfalls
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat im Auftrag der Energiegenossenschaft Green Planet Energy Modellrechnungen durchgeführt, die zeigen, dass der geplante Wegfall der Einspeisevergütung im Entwurf des EEG 2027 kleine und mittlere Mieterstrom-Photovoltaik-Anlagen wirtschaftlich untragbar macht. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass „kleine und mittlere Mieterstromprojekte in der Regel nicht mehr tragfähig sind“, wenn die Vergütung ersatzlos entfällt. Dabei gilt: Während größere Projekte Skaleneffekte nutzen können, geraten Anlagen auf typischen Mehrfamilienhäusern mit acht bis dreißig Wohneinheiten schnell ins Minus.
Ralph Henger, Studienautor beim IW, betont: „Unsere Berechnungen zeigen, dass die Einspeisevergütung für viele Mieterstromprojekte ein zentraler Bestandteil der Wirtschaftlichkeit ist. Fällt sie ersatzlos weg, werden viele kleine und mittlere Projekte in Mehrfamilienhäusern wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.“
Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy, warnt: „Wenn die Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen gestrichen wird, bricht ausgerechnet dort der Zugang zu günstigem Solarstrom weg, wo er dringend gebraucht wird – in ganz normalen Mehrfamilienhäusern. Millionen Mieterinnen und Mieter würden von der Energiewende faktisch ausgeschlossen.“
Ungenutztes Potenzial für Mieterstrom
Parallel zur wirtschaftlichen Bedrohung durch den Wegfall der Vergütung weist das Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) darauf hin, dass in Deutschland ein erhebliches ungenutztes Potenzial für Mieterstromprojekte besteht. Schätzungen gehen von 15 bis 20 Millionen Wohnungen aus, die theoretisch mit Gebäude- oder Mieterstrom versorgt werden könnten. Angesichts von rund drei Millionen Mehrfamilienhäusern im Land ist das Potenzial besonders in städtischen Gebieten groß.
Statistische Übersicht
- Potenzial an Mieterstrom: bis zu 20 Millionen Wohnungen (2023, Schätzung des BEE).
- Anzahl registrierter Mieterstromanlagen: < 5 000 Anlagen (2023, Quelle S1).
- Anzahl der Mehrfamilienhäuser in Deutschland: ca. 3 Millionen Häuser (2023, Quelle S2).
Die Diskrepanz zwischen dem vorhandenen Potenzial und der geringen Zahl bereits realisierter Anlagen verdeutlicht die Notwendigkeit geeigneter Rahmenbedingungen, um die Energiewende im Mietwohnungssektor zu beschleunigen.
Herausforderungen und Gegenmaßnahmen
Mehrere Faktoren erschweren die Wirtschaftlichkeit von Mieterstromprojekten. Neben dem Wegfall der Einspeisevergütung spielt die Integration von Batteriespeichern eine zentrale Rolle. Während Speicher den Eigenverbrauch erhöhen und langfristig zur Renditestabilisierung beitragen können, erhöhen sie zunächst die Investitionskosten.
- Batteriespeicher erhöhen die Anfangsinvestitionen und können die Wirtschaftlichkeit in der Startphase beeinträchtigen.
- Fehlende einheitliche Vorgaben für die Speicherintegration erschweren die Planung und den Betrieb.
Alternative Finanzierungsmodelle, wie die Direktvermarktung, können den Wegfall der Vergütung nur begrenzt kompensieren. Zusätzlich hängt die Wirtschaftlichkeit stark von der Teilnahmequote der Mieter:innen ab – ein Faktor, der im Bestand nur eingeschränkt steuerbar ist.
Was Mieterstrom jetzt braucht
Eine aktuelle Erhebung des Öko-Instituts zeigt, dass etwa 80 % der kleinen Mieterstromanlagen ohne Einspeisevergütung nicht tragfähig wären. Dies illustriert die zentrale Rolle der Einspeisevergütung für wirtschaftliche Mieterstromprojekte und betont die Dringlichkeit, diese zu erhalten oder durch alternative Zuschläge abzufedern.
Darüber hinaus schätzt der Bundesverband Erneuerbare Energie, dass das ungenutzte Potenzial von Mieterstrom in Deutschland auf bis zu 20 Millionen Wohnungen anwachsen könnte. Angesichts der hohen Anzahl von Mehrfamilienhäusern in städtischen Gebieten ist es essenziell, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese Chancen zu nutzen.
Aus Sicht von Green Planet Energy benötigt der Mieterstrom klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Tangermann fordert: „Damit Mieterstrom in Mehrfamilienhäusern funktioniert, müssen sich die Projekte rechnen. Kurzfristig bedeutet das: Entweder bleibt die Einspeisevergütung für kleine Dach-PV-Anlagen erhalten – oder sie wird durch einen erhöhten, praxistauglichen Mieterstromzuschlag aufgefangen. Mittel- und langfristig kann Mieterstrom auch ohne Förderung auskommen. Dafür müssen allerdings bürokratische Hürden abgebaut, Prozesse vereinfacht und Regulierungen verschlankt werden – von Messkonzepten über die Abrechnung bis hin zu schnelleren und standardisierten Genehmigungen durch Netzbetreiber.“
Eine weitere Schlüsselrolle spielt die Integration von Batteriespeichern. Sie erhöhen den Eigenverbrauch und können künftig – bei passenden Rahmenbedingungen – zur Stabilisierung der Rendite beitragen. Ihr Einsatz wird jedoch durch fehlende bundesweit einheitliche Vorgaben erschwert. Tangermann betont: „Hier ist die Bundesregierung gefordert, den regulatorischen Flickenteppich zu beenden und die Integration von Speichern voranzubringen.“
FAQ
Was passiert mit bereits bestehenden Photovoltaikanlagen?
Bestandsanlagen sind von der Abschaffung der Einspeisevergütung nicht betroffen, allerdings stehen neue Projekte auf der Kippe.
Fazit
Die Einspeisevergütung bleibt für die Wirtschaftlichkeit kleiner und mittlerer Mieterstromprojekte ein unverzichtbarer Baustein. Ohne sie würden laut Studien des Öko-Instituts und des IW bis zu 80 % der Anlagen unrentabel, was zu einem Rückschritt in der deutschen Energiewende führen würde. Gleichzeitig zeigt das ungenutzte Potenzial von bis zu 20 Millionen Wohnungen, dass ein großer Teil des Mietwohnungsmarktes noch nicht von Solarstrom profitiert. Um diese Chance zu realisieren, sind klare politische Vorgaben, die Beibehaltung oder Kompensation der Einspeisevergütung, vereinfachte Genehmigungsverfahren und einheitliche Rahmenbedingungen für Batteriespeicher erforderlich. Nur so können Mieterstromprojekte wirtschaftlich werden und Millionen Mieterinnen und Mieter nachhaltig in die Energiewende eingebunden werden.

