Der Eigenverbrauch von Photovoltaikanlagen ist ein zentraler Baustein der deutschen Energiewende. Gleichzeitig zeigen aktuelle Praxisbeispiele, dass fehlende oder unklare gesetzliche Vorgaben Unternehmen vor erhebliche wirtschaftliche Risiken stellen. Insbesondere bei Redispatch-Eingriffen werden PV-Anlagen häufig komplett abgeschaltet, obwohl die EU-Verordnung einen uneingeschränkten Eigenverbrauch vorsieht. Dieser Artikel fasst die geltenden Regelungen, die statistischen Befunde und die daraus resultierenden Investitionsunsicherheiten zusammen und leitet konkrete Lösungsvorschläge ab.
Seiteninhalte
Gesetzliche Grundlagen und EU-Verordnung
- Die EU-Verordnung, Artikel 13 Absatz 6, schützt die Nutzung von erzeugtem, aber nicht eingespeistem Strom vor Abschaltungen, sofern keine akute Netzgefährdung vorliegt.
- Eine EnWG-Novelle aus Dezember 2025 sollte die EU-Regelung in nationales Recht überführen und klarstellen, dass Netzbetreiber den Eigenverbrauch nur bei nachweislicher Netzgefährdung reduzieren dürfen.
- Nach Angaben von Hans Urban fehlt bislang eine eindeutige gesetzliche Umsetzung, sodass Netzbetreiber häufig die gesamte PV-Anlage bei Redispatch-Eingriffen abschalten.
Praxis: Redispatch und Abschaltung von PV-Anlagen
Ein prägnantes Beispiel liefert die Metzgerei Keller aus Moosburg/Langenbach. Das Unternehmen hat in eine PV-Anlage und einen eigenen Speicher investiert, um den Eigenverbrauch zu maximieren. Bei Redispatch-Eingriffen wurden jedoch nicht nur die Überschusseinspeisungen, sondern die gesamten Wechselrichter abgeschaltet – einschließlich des Betriebs des eigens finanzierten Speichers. Dieser Vorgang führt zu hohen Kosten für teure Fremdenergie.
Eine aktuelle Analyse der Bundesnetzagentur belegt, dass im Jahr 2025 über 6500 Redispatch-Eingriffe in Deutschland stattfanden. Diese Eingriffe führen häufig zu erheblichen Einnahmeverlusten für Unternehmen, die in PV-Anlagen investiert haben.
- Metric: Redispatch-Eingriffe – Wert: 6500 – Jahr: 2025 – Hinweis: Bundesnetzagentur.
Wirtschaftliche Auswirkungen
- 70 % der Unternehmen äußern Bedenken hinsichtlich der Investitionssicherheit im Bereich erneuerbare Energien (Studie 2023).
- Nur 30 % der installierten PV-Anlagen werden im Eigenverbrauch genutzt (Statistisches Jahrbuch zur Energieversorgung 2023, S1).
- Investitionen in erneuerbare Energien beliefen sich 2023 auf 15 Milliarden Euro (Marktanalyse Erneuerbare Energien 2023, S2).
- Die Abschaltung von Speichern während Redispatch-Phasen verhindert die Nutzung von selbst erzeugtem Strom in Spitzenzeiten und erhöht die Abhängigkeit von teurer Netzenergie.
Fehlende Investitionssicherheit – Analyse der Hindernisse
- Unklare rechtliche Rahmenbedingungen führen zu einer systematischen Abschaltung von PV-Anlagen bei Redispatch, trotz EU-Schutzbestimmung.
- Inkonsequente Interpretationen seitens der Netzbetreiber erzeugen Willkür und reduzieren das Vertrauen der Unternehmen.
- Ein mangelndes Verständnis für die Bedeutung von Netzsicherheit kann die Notwendigkeit klarer Regelungen unterschätzen.
- Technische Lösungen, die nur die Überschusseinspeisung begrenzen, werden nicht flächendeckend umgesetzt.
Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen
- Klare gesetzliche Vorgaben: Eine eindeutige Regelung, die den Eigenverbrauch auch während Redispatch-Eingriffen garantiert, muss in nationales Recht überführt werden.
- Umsetzung der EU-Verordnung: Artikel 13 Absatz 6 muss verbindlich angewendet werden, sodass nur bei nachweislicher Netzgefährdung die Einspeisung von Überschussstrom reduziert wird, nicht jedoch der Eigenverbrauch.
- Technische Feinabstimmung: Statt die gesamte PV-Anlage abzuschalten, sollten Netzbetreiber nur die Überschusseinspeisung drosseln. Bereits zertifizierte Lösungen ermöglichen diese gezielte Regelung.
- Speicherbetrieb sichern: Eigenfinanzierte Speicher dürfen während Redispatch-Phasen nicht vom Netzbetreiber gesperrt werden – sie sind ein zentrales Element zur Entlastung des Netzes.
- Transparente Kommunikation: Netzbetreiber sollten die Gründe für jede Abschaltung klar dokumentieren und Unternehmen frühzeitig informieren.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Welche rechtlichen Änderungen sind nötig, um den Eigenverbrauch zu sichern?Eindeutige gesetzliche Regelungen, die den Eigenverbrauch auch während Redispatch-Eingriffen garantieren, sind erforderlich.
Fazit
Die Analyse zeigt, dass die aktuelle Praxis der systematischen Abschaltung von Photovoltaikanlagen bei Redispatch-Eingriffen die Investitionssicherheit von Unternehmen erheblich gefährdet. Trotz einer klaren EU-Verordnung und einer EnWG-Novelle aus 2025 fehlt es an einer verbindlichen Umsetzung, was zu wirtschaftlichen Verlusten und einer Zurückhaltung von Unternehmen bei Investitionen in erneuerbare Energien führt. Durch klare gesetzliche Vorgaben, die konsequente Anwendung der EU-Regelung und den gezielten Einsatz technischer Lösungen kann der Eigenverbrauch gesichert und die Energiewende weiter vorangetrieben werden. Damit erhalten mittelständische Betriebe verlässliche Standortbedingungen, die den Ausbau von Photovoltaik und Speichern wirtschaftlich attraktiv machen.

