Der Ausbau der Stromnetze ist ein zentraler Baustein der deutschen Energiewende. Neue Gleichstromverbindungen sollen künftig als Freileitungen realisiert werden, weil sie im Vergleich zu Erdkabeln deutlich günstiger sind. Diese Entscheidung hat nicht nur finanzielle, sondern auch sicherheits- und preispolitische Konsequenzen für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Warum der Netzausbau entscheidend ist
Ein leistungsfähiges Stromnetz ermöglicht die Integration erneuerbarer Energien und stabilisiert die Versorgung. Ohne einen ausreichenden Netzausbau drohen höhere Netzentgelte und mögliche Engpässe, die die Energiewende gefährden.
Kostenvorteile von Freileitungen gegenüber Erdkabeln
Laut Bundesnetzagentur sind Freileitungen im Bau deutlich günstiger als Erdkabel. Die Einsparungen ergeben sich aus niedrigeren Material- und Installationsaufwänden.
- Reduzierte Materialkosten
- Kürzere Installationszeiten
- Geringere Planungs- und Genehmigungsaufwände
Geplante Netzausbauprojekte und gesetzlicher Rahmen
Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes gebilligt. Ziel ist es, Planungssicherheit zu schaffen und den Netzbetrieb zu sichern. Im Rahmen dieses Gesetzes werden 45 neue Stromleitungsvorhaben in den Bundesbedarfsplan aufgenommen.
Die Netzausbauplanung beinhaltet:
- 39 Wechselstromvorhaben
- 3 Verbindungsleitungen nach Dänemark, Großbritannien und die Schweiz
- 2 Gleichstromvorhaben
- 1 Offshore-Windenergie-Anbindungsleitung
Alle Vorhaben sind im aktuellen Entwurf der Übertragungsnetzbetreiber von März 2026 enthalten.
Details zu den neuen Gleichstromvorhaben
Die beiden neuen Gleichstromvorhaben sollen als Freileitungen gebaut werden, weil sie kostengünstiger sind als Erdkabel. Die Entscheidung basiert auf dem genannten Kostenvorteil und soll die finanziellen Hürden des Netzausbaus senken.
Bedenken des Verbands ZVEI
Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) hält den Umfang der geplanten Netzausbaumaßnahmen für unzureichend. Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, betont, dass die aktuelle Planung nicht ausreicht, um den Strombedarf ab 2035 zu decken. Trotz eines derzeitigen Rückgangs des Strombedarfs wegen der industriellen Krise sei die langfristige Nachfrage durch die Elektrifizierung von Industrie, Mobilität, Wärmeversorgung und den Ausbau von Rechenzentren deutlich zu erwarten.
Der ZVEI warnt zudem vor einer möglichen Verlangsamung der Umsetzung, was die Investitionsbereitschaft von Netzkomponentenherstellern beeinträchtigen könnte.
Die Entscheidung, neue Gleichstromvorhaben als Freileitung zu realisieren, basiert auf signifikanten Kostenvorteilen. Die niedrigeren Baukosten von Freileitungen sind ein entscheidender Faktor, um die finanziellen Hürden im Netzausbau zu senken, vor allem in Zeiten knapper Mittel. Ein steigender Strombedarf durch die Elektrifizierung macht zugleich eine koordinierte und umfassende Netzausbauplanung erforderlich. Das unterstreicht die Bedenken des ZVEI, dass die aktuellen Planungen möglicherweise nicht ausreichen werden, um die zukünftigen Anforderungen an die Stromversorgung zu decken.
Zukunftsprognosen zum Strombedarf
Der ZVEI erwartet, dass der Strombedarf in Deutschland bis 2035 deutlich steigen wird. Diese Steigerung ist vor allem auf die zunehmende Elektrifizierung in Industrie, Mobilität, Wärmeversorgung und den Ausbau von Rechenzentren zurückzuführen.
Die Prognose ist ein zentrales Argument für einen umfassenderen Netzausbau, da die derzeitige Planung nicht ausreiche, um die erwartete Nachfrage zu decken.
Statistiken und Kennzahlen
- Neue Vorhaben im Bundesbedarfsplan: 45 (Gesetzentwurf 2026)
- Davon Gleichstromvorhaben: 2, geplant als Freileitung
Was sind die Hauptvorteile von Freileitungen?
Freileitungen haben geringere Baukosten und kürzere Installationszeiten im Vergleich zu Erdkabeln, wodurch der Netzausbau effizienter gestaltet werden kann.
Fazit
Der geplante Ausbau der deutschen Stromnetze setzt verstärkt auf Freileitungen für neue Gleichstromverbindungen, weil sie deutlich günstiger sind als Erdkabel. Diese Kostenvorteile sind besonders wichtig, um die finanziellen Ressourcen effizient zu nutzen. Gleichzeitig wird bis 2035 ein deutlich steigender Strombedarf erwartet, was die Notwendigkeit eines umfassenderen Netzausbaus betont. Der Verband ZVEI warnt jedoch, dass die aktuelle Planung nicht ausreichend sei und die langsame Umsetzung die Versorgungssicherheit gefährden könnte. Die Kombination aus Kostenersparnissen, gesetzlicher Unterstützung und klaren Zukunftsprognosen bildet die Basis für einen erfolgreichen Netzausbau, der die Energiewende und stabile Strompreise für Verbraucherinnen und Verbraucher sicherstellt.

