Entwässerte Moorböden tragen mit rund 43 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent pro Jahr (2021) etwa 7 % zu den gesamten deutschen Treibhausgasemissionen bei, obwohl sie nur circa 7 % der Agrarflächen ausmachen. Die nationale Klimapolitik hat deshalb ambitionierte Wiedervernässungsziele definiert: Bis 2026 sollen jährlich mindestens 50 000 Hektar Moorflächen wiedervernässt werden, um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. In diesem Kontext gewinnt die Kombination aus Wiedervernässung und Stromerzeugung – Moor-Photovoltaik (Moor-PV) – an Bedeutung, weil sie ökonomische Anreize mit klimaschutzpolitischen Notwendigkeiten verknüpft.
Klimarelevanz entwässerter Moorböden und nationale Wiedervernässungsziele
Die hohe THG-Belastung von trocken gelegten Mooren macht sie zu einem kritischen Faktor im deutschen Klimaschutz. Laut den vorliegenden Daten verursachen sie ca. 43 Mio. t CO₂-Äq. (2021), was rund 7 % der Gesamtemissionen entspricht. Um die Klimaziele zu erreichen, hat die Bundesregierung ein jährliches Wiedervernässungsziel von 50 000 Hektar festgelegt, das bis 2026 in Kraft treten soll und bis 2045 konsequent umgesetzt werden muss.
Seit der EEG-Novelle 2023 wird die Kombination aus Photovoltaik und Wiedervernässung gezielt gefördert. Die Bedeutung von Moor-PV ist auch in der Klimaschutzpolitik nicht mehr wegzudenken: Obwohl entwässerte Moore lediglich 7 % der Agrarflächen nutzen, verantworten sie über 40 Millionen Tonnen an CO₂-Äquivalenten jährlich – das entspricht mehr als 40 % der gesamten landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland. Dies macht die Wiedervernässung durch Moor-PV ein zentrales Instrument, um die nationale Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Um diese Zielsetzung zu verankern, ist es notwendig, wissenschaftlich und rechtlich Klarheit über die ökologischen Folgen von Moor-PV herzustellen.
Potenzial von Moor-PV in Deutschland
Die Gesamtfläche organischer Böden in Deutschland beträgt nach der BfN-Studie 18.098 km² (etwa 1,81 Mio. ha). Davon eignen sich laut derselben Untersuchung nur 28,6 % potenziell für Moor-PV, was rund 517.600 ha entspricht. Das daraus resultierende installierbare Leistungspotenzial wird auf 129 bis 311 GW geschätzt.
Frühere Analysen des Fraunhofer ISE kamen zu einem etwas anderen Ergebnis: Dort wurden rund 334.500 ha degradierter Moorflächen identifiziert, mit einem technischen Potenzial von 134 bis 268 GW. Die aktuelle BfN-Studie berücksichtigt jedoch stärker fachrechtliche Einschränkungen: Mehr als 60 % der Moorflächen werden aus rechtlichen Gründen grundsätzlich ausgeschlossen, weitere 10 % nur eingeschränkt als potenzielle Standorte bewertet.
Die wirtschaftliche Attraktivität ergibt sich aus der Möglichkeit, landwirtschaftlich genutzte, zu 95 % trocken gelegte Moorflächen durch Wiedervernässung und gleichzeitige Stromerzeugung zu nutzen. Damit entsteht ein zusätzlicher Ertragszweig, der die ökonomische Tragfähigkeit der Wiedervernässung erhöht.
Ökologische Forschungslücken
Obwohl die Wiedervernässung grundsätzlich positiv wirkt, sind die langfristigen ökologischen Auswirkungen von Moor-PV noch weitgehend ungeklärt. Die BfN-Analyse identifizierte 132 einschlägige wissenschaftliche Arbeiten, von denen lediglich 30 sich unmittelbar mit Photovoltaik-Anlagen auf Moorflächen befassen. Systematische Vorher-Nachher-Langzeitstudien fehlen gänzlich für Deutschland; weltweit existieren nur 30 Langzeit-Felder-Studien, jedoch keine deutschen Beobachtungen.
Die Autoren fordern daher eine langfristige wissenschaftliche Begleitung von Moor-PV-Projekten über mindestens zehn Jahre. Dabei sollten insbesondere folgende Aspekte untersucht werden:
- Auswirkungen auf Artenvielfalt und sensible Lebensräume
- Veränderungen von ökologischen Wechselwirkungen und Habitat-Strukturen
- Langfristige Kohlenstoffbilanz unter Berücksichtigung von Wiedervernässungseffekten
Ergebnisse solcher Studien könnten als Grundlage für die Bewertung und Genehmigung zukünftiger Projekte dienen.
Rechtlicher Regulierungsbedarf
Derzeit gibt es im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) kein generelles Verbot für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf entwässerten Moorböden, sofern diese nicht gleichzeitig wiedervernässt werden. Die BfN-Studie empfiehlt deshalb:
- Eine gesetzliche Erweiterung des Verbots im BNatSchG, die die Kombination von PV-Nutzung und nicht-verrenäßtem Moor ausschließt (Vorschlag 2026).
- Den Ausschluss von solchen Anlagen von EEG-Privilegien, um Fehlanreize zu vermeiden.
- Eine stärkere planerische Steuerung durch Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten, um Konflikte mit anderen Naturschutzzielen zu reduzieren.
- Eine engere Verzahnung von Raumordnungs-, Bau- und Naturschutzrecht bei Genehmigungsverfahren.
Durch diese Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass Moor-PV nur dort eingesetzt wird, wo ein klarer ökologischer Mehrwert nachweisbar ist.
Risiken und Gegenmaßnahmen
Die Umsetzung von Moor-PV birgt mehrere Risiken, die im Folgenden zusammengefasst werden:
- Wirtschaftliche Verlockungen können Naturschutzziele verfälschen: Hohe Einnahmen könnten dazu führen, dass Flächen mit hoher ökologischer Sensitivität dennoch für PV-Projekte genutzt werden, was langfristig die Biodiversität gefährden kann.
- Fehlendes Monitoring-Modellsystem: Ohne einheitliche Monitoring-Verfahren bleiben Ergebnisse unklar und erschweren die Bewertung von Projekten nach ökologischen und klimatischen Kriterien.
- Begrenzte Akzeptanz in der lokalen Gemeinschaft: Die Sichtbarkeit großer Anlagen auf Mooren kann zu Widerständen führen, insbesondere wenn die wirtschaftlichen Vorteile regional nicht spürbar sind.
Um diesen Risiken zu begegnen, sind transparente Monitoring-Konzepte, frühzeitige Einbindung der lokalen Bevölkerung und klare rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was genau ist Moor-PV?Photovoltaik auf wiedervernässen Moorböden, die Treibhausgase aufhalten und gleichzeitig Strom erzeugen, bietet eine Option zur Wiedervernässung ohne ökonomischen Nachteil.Wie viel Fläche steht in Deutschland zur Verfügung?Etwa 517.600 Hektar Moorflächen eignen sich potenziell für Moor-PV, nach Ausschluss rechtlicher und ökologischer Einschränkungen.Ist Moor-PV klimaneutral?Nur bei dauerhafter Wiedervernässung; bleibt die Torfzersetzung und damit CO₂-Emission ungebremst, untergräbt das Klimaschutzziel.
Fazit
Moor-Photovoltaik bietet ein vielversprechendes Instrument, um die Wiedervernässung von entwässerten Mooren ökonomisch zu unterstützen und gleichzeitig erneuerbare Energie zu erzeugen. Das technische Ausbaupotenzial von 129 bis 311 GW ist erheblich, doch mehr als 60 % der potenziellen Flächen sind aus fachrechtlichen Gründen nicht nutzbar. Ohne solide Langzeit-Forschung zu ökologischen Auswirkungen und ohne klare gesetzliche Vorgaben besteht das Risiko, dass wirtschaftliche Anreize Naturschutzinteressen überlagern. Eine Kombination aus systematischem Monitoring, strengeren rechtlichen Regelungen und einer transparenten Einbindung lokaler Akteure ist daher unerlässlich, um die Klimavorteile von Moor-PV zu realisieren, ohne die Biodiversität zu gefährden.

