Viele Photovoltaik-Besitzer merken es erst, wenn die Anlage schon halb durchgeplant ist: Bei der Einspeisevergütung geht es nicht nur um ein paar Cent pro Kilowattstunde, sondern um ein Grundprinzip. Nutzen Sie Ihren Solarstrom selbst – oder speisen Sie ihn komplett ins Netz? Genau hier trennen sich Überschusseinspeisung und Volleinspeisung. Klingt erstmal nach Bürokratie, hat aber sehr greifbare Folgen: fürs Portemonnaie, für die Technik im Haus und dafür, wie „Solarstrom im Alltag“ sich überhaupt anfühlt.
Stellen Sie sich vor: Die Sonne steht hoch, die Anlage produziert ordentlich, Sie werfen mittags schnell die Waschmaschine an – und trotzdem läuft der Zähler für Netzstrom weiter. Das kann passieren, wenn Sie sich für die Volleinspeisung entscheiden, denn dann ist Eigenverbrauch nicht erlaubt. Im Gegenzug gibt es in bestimmten Konstellationen höhere Vergütungssätze. Die können sich im Rahmen von EEG 2024 und dem aktuellen Gesetzesentwurf verändern. Bei der Überschusseinspeisung ist es andersherum: Erst wird das Haus versorgt, und nur das, was übrig bleibt, geht ins Netz.
In diesem Leitfaden bekommen Sie einen klaren Wirtschaftlichkeitsvergleich, einen Überblick über Vergütungssätze und auch Alternativen wie Nulleinspeisung. Ziel ist nicht, Ihnen ein Modell „schönzurechnen“, sondern dass Sie am Ende eine Entscheidung treffen, die zu Ihrem Verbrauch, Ihrem Alltag und Ihren Plänen passt.
Seiteninhalte
- Das Wichtigste in Kürze
- Was bedeutet Einspeisevergütung überhaupt – und warum ist das mehr als „ein paar Cent“?
- Überschusseinspeisung: Erst Haus versorgen, dann verkaufen
- Volleinspeisung: Alles ins Netz – und genau deshalb ist Eigenverbrauch nicht erlaubt
- Vergütungssätze im Überblick: Warum Volleinspeisung oft höher vergütet wird
- EEG 2024 und Gesetzesentwurf: Was sich verschieben kann – und worauf Sie achten sollten
- Wirtschaftlichkeitsvergleich: Welche Rechnung wirklich zählt (und welche oft geschönt wird)
- Wann Volleinspeisung trotzdem Sinn ergibt (ja, das gibt es)
- Überschusseinspeisung optimieren: So holen Sie mehr Eigenverbrauch heraus
- Nulleinspeisung: Maximale Kontrolle, aber andere Spielregeln
- Typische Planungsfehler – und wie Sie sie vermeiden
- So treffen Sie die Entscheidung: kleines Schema, großer Effekt
- Fazit: Die beste Einspeise-Entscheidung ist die, die zu Ihrem Leben passt
- FAQ
Das Wichtigste in Kürze
- Volleinspeisung bedeutet: Ihre PV-Anlage speist den gesamten Strom ins Netz – Eigenverbrauch ist dabei nicht zulässig. Das wird oft übersehen und kann Ihre Planung (z. B. Haushaltsstrom, Wärmepumpe, Wallbox) komplett drehen.
- Überschusseinspeisung bedeutet: Sie nutzen Solarstrom zuerst selbst, nur der Überschuss wird vergütet. Das ist in der Praxis häufig der „Alltagsmodus“, weil er Ihren Netzbezug spürbar senken kann.
- Die Vergütungssätze und Rahmenbedingungen können sich durch EEG 2024 bzw. den Gesetzesentwurf verschieben. Ein kurzer Wirtschaftlichkeitsvergleich (inkl. Option Nulleinspeisung ) lohnt sich, bevor Sie sich festlegen – gerade, wenn in den nächsten Jahren neue Stromverbraucher dazukommen.
Was bedeutet Einspeisevergütung überhaupt – und warum ist das mehr als „ein paar Cent“?
Die Einspeisevergütung ist das Geld, das Sie für Strom bekommen, den Ihre PV-Anlage ins öffentliche Netz liefert. Das wirkt auf den ersten Blick simpel: kWh rein, Centbetrag raus. In der Realität ist es aber ein echtes Weichensystem, weil mit dem Vergütungsmodell oft auch festgelegt wird, wie Sie die Anlage im Alltag überhaupt nutzen dürfen.
Der Knackpunkt: Je nachdem, ob Sie Überschusseinspeisung oder Volleinspeisung wählen, verändert sich nicht nur der Vergütungssatz, sondern auch Ihre komplette Stromlogik im Haus. Und genau hier rutschen viele in eine Falle: Man schaut auf die Einnahmen, nickt den Satz „Einspeisevergütung: X Cent/kWh“ ab – und merkt später, dass der gewählte Modus den Eigenverbrauch einschränkt oder komplett ausschließt.
Das sorgt nicht selten für Frust, weil es sich „gegen den Bauch“ anfühlt: Man hat die Module auf dem eigenen Dach, sieht die Sonne arbeiten – und darf den Strom (je nach Modell) nicht einfach selbst nutzen. Deshalb lohnt es sich, das Thema früh sauber zu klären.
Überschusseinspeisung: Erst Haus versorgen, dann verkaufen
Die Überschusseinspeisung ist das Modell, das sich für viele Einfamilienhäuser ganz selbstverständlich anfühlt: Ihre Anlage versorgt zuerst die Verbraucher im Haus. Und nur das, was Sie in dem Moment nicht brauchen, fließt als Überschuss ins Netz – dafür bekommen Sie die Einspeisevergütung.
So läuft das im Alltag (wirklich)
Mittags: viel Sonne, die Anlage liefert. Grundlasten wie Kühlschrank, Router, Standby, vielleicht Homeoffice laufen ohnehin. Wenn Sie dann Spülmaschine oder Waschmaschine in diese Zeit schieben, steigt Ihr Eigenverbrauch direkt. Erst wenn die PV mehr produziert, als im Haus gerade abgenommen wird, beginnt die Einspeisung.
Viele merken dabei schnell: Solarstrom ist nicht nur „Technik auf dem Dach“, sondern auch ein kleines Umdenken im Alltag. Nicht dogmatisch, eher praktisch: Dinge, die flexibel sind, laufen dann, wenn die Sonne liefert. Genau deshalb passt dieses Modell besonders gut, wenn später noch Wärmepumpe, Wallbox oder Klimagerät geplant sind – also Verbraucher, die sich (zum Teil) steuern lassen.
Vorteile der Überschusseinspeisung
- Eigenverbrauch ist ausdrücklich möglich und in vielen Fällen das wirtschaftliche Herzstück Ihrer Anlage.
- Sie senken Ihren Netzbezug, also die Strommenge, die Sie zu Ihrem Tarif einkaufen müssen.
- Sie bleiben flexibel: Ihr Haushalt verändert sich, Ihr Verbrauch auch – und die Überschusseinspeisung „wächst“ oft unkompliziert mit.
Nachteile (die gerne kleingeredet werden)
- Der Vergütungssatz ist meist niedriger als bei der Volleinspeisung – das sieht auf dem Papier erstmal nach „weniger attraktiv“ aus.
- Ohne Verbrauchsoptimierung (Lastverschiebung, Speicher, smarte Steuerung) verschenken viele Haushalte Potenzial, weil mittags zu viel eingespeist wird und abends wieder Netzstrom gekauft werden muss.
Volleinspeisung: Alles ins Netz – und genau deshalb ist Eigenverbrauch nicht erlaubt
Bei der Volleinspeisung speist Ihre PV-Anlage den gesamten erzeugten Strom ins öffentliche Netz ein. Und jetzt kommt der Satz, der bei vielen erstmal hängen bleibt: Eigenverbrauch ist dabei nicht zulässig. Sie erzeugen Strom – dürfen ihn im gewählten Modell aber nicht für Ihre eigenen Verbraucher nutzen.
Das ist nicht nur eine theoretische Regel, sondern eine spürbare Alltagserfahrung. Wenn mittags die Sonne knallt und die Anlage richtig Leistung bringt, Sie aber kochen, Kaffee machen oder eine Maschine läuft – dann beziehen Sie diesen Strom trotzdem aus dem Netz, weil Ihre PV-Energie komplett „wegverkauft“ wird.
Konsequenzen, die in der Planung oft zu spät auftauchen
- Sie laden Ihr E-Auto nicht einfach „mit Sonnenstrom“, wenn es streng bei der Volleinspeisung bleibt – auch wenn es sich noch so logisch anfühlt.
- Eine Wärmepumpe profitiert nicht direkt von der PV-Erzeugung. Für Wärme fließt weiterhin Netzstrom, sofern kein anderes Konzept dahintersteht.
- Ein Batteriespeicher verliert seinen typischen Nutzen, weil er normalerweise dazu da ist, den Eigenverbrauch zu erhöhen. Bei Volleinspeisung passt das nicht in die klassische Idee.
Der Reiz der Volleinspeisung kommt fast immer aus dem höheren Vergütungssatz – und genau hier wird es politisch und praktisch spannend, weil ein Gesetzesentwurf (im Kontext EEG 2024 und der laufenden Diskussionen) die Attraktivität verschieben kann. Wichtig ist: „Mehr Cent pro kWh“ klingt gut, aber es erkauft sich eben einen klaren Verzicht.
Vergütungssätze im Überblick: Warum Volleinspeisung oft höher vergütet wird
Ein nüchterner, aber wichtiger Punkt: Für Volleinspeisung wurden und werden häufig höhere Vergütungssätze angesetzt als für Überschusseinspeisung. Das ist kein Zufall, sondern im Grunde ein Tauschgeschäft: höhere Vergütung dafür, dass Sie keinen Eigenverbrauch nutzen.
Beispielhafte Werte „ab Januar 2023“ (sinngemäß aus einer eingebetteten Tabelle im Dokument) zeigen das Muster sehr deutlich:
- bis 10 kWp: Überschusseinspeisung 8,2 Cent/kWh, Volleinspeisung 13,0 Cent/kWh
- 10 bis 40 kWp: 7,1 Cent/kWh vs. 10,9 Cent/kWh
- 40 bis 100 kWp: 5,8 Cent/kWh vs. 10,9 Cent/kWh
Wichtig: Das sind Beispielwerte aus einer Momentaufnahme. Entscheidend sind für Sie immer die aktuellen, offiziell veröffentlichten Sätze sowie der Zeitpunkt der Inbetriebnahme und Anmeldung. Trotzdem ist die Richtung klar: Volleinspeisung wird typischerweise höher vergütet – als Kompensation dafür, dass Sie den Strom nicht selbst „verbrauchen dürfen“.
EEG 2024 und Gesetzesentwurf: Was sich verschieben kann – und worauf Sie achten sollten
Rund um EEG 2024 und den aktuellen Gesetzesentwurf taucht ein Gedanke immer wieder auf: Volleinspeisung könnte durch höhere Vergütung (im Entwurf waren bis zu 13,8 Cent/kWh für Volleinspeiser genannt) auf einmal besonders attraktiv wirken. Das ist nachvollziehbar – und trotzdem genau die Stelle, an der Sie kurz bremsen sollten.
Denn höhere Vergütung heißt nicht automatisch „besser“. Sie kaufen sich diese Einnahmen mit einer klaren Einschränkung: Eigenverbrauch ist nicht erlaubt. Und das kollidiert schnell mit dem, was viele eigentlich wollen: tagsüber günstigen PV-Strom fürs Haus, für Warmwasser, fürs Auto oder für die Wärmepumpe nutzen.
Ein zweiter Punkt ist mindestens genauso wichtig: Prüfen Sie die Umstellmöglichkeiten. Nicht jedes Modell lässt sich mal eben nach Lust und Laune drehen, und manchmal gibt es Bindungen oder formale Voraussetzungen. Wer heute Volleinspeisung wählt und in einem Jahr merkt, dass Wallbox oder Wärmepumpe doch früher kommen als gedacht, will ungern in einer Konstruktion festzuhängen, die den eigenen Strom im Haus blockiert.
Praktischer Tipp: Lesen Sie Angebote nicht nur nach „Cent/kWh“, sondern nach „Was darf ich mit meinem Strom tun – und was nicht?“ Das ist die Frage, die später zählt.
Wirtschaftlichkeitsvergleich: Welche Rechnung wirklich zählt (und welche oft geschönt wird)
Ein ehrlicher Wirtschaftlichkeitsvergleich arbeitet nicht mit einer einzigen Zahl, sondern mit zwei unterschiedlichen Werten, die oft durcheinandergeworfen werden:
- Wert des Eigenverbrauchs: Jede selbst genutzte kWh spart Ihnen den Einkaufspreis aus dem Netz (also Ihren Stromtarif plus Preisentwicklung).
- Wert der Einspeisung: Jede eingespeiste kWh bringt Ihnen die Einspeisevergütung (je nach Modell und Anlagengröße).
Und hier liegt der Kern: In vielen Haushalten ist der Netzstrompreis deutlich höher als die Vergütung. Deshalb fühlt sich Eigenverbrauch nicht nur gut an, er ist oft auch wirtschaftlich stärker – weil Sie teuren Stromkauf vermeiden. Volleinspeisung kann trotzdem passen, aber eben nicht als Automatismus, sondern als bewusste Entscheidung.
Mini-Beispiel aus dem echten Leben
Stellen Sie sich zwei Nachbarn vor. Beide haben ähnliche Dächer, ähnliche Modulflächen, ähnliche Erträge.
- Nachbar A wählt Überschusseinspeisung, arbeitet oft zuhause und hat sich angewöhnt, mittags ein paar Dinge laufen zu lassen. Er merkt nach wenigen Wochen: Sein Netzbezug sinkt deutlich.
- Nachbar B wählt Volleinspeisung, weil die Vergütungssätze im Angebot besser aussahen. Er hat planbare Einnahmen – wundert sich aber im Sommer, warum er abends weiterhin Netzstrom kauft, obwohl die PV tagsüber „wie verrückt“ produziert hat.
Beide Entscheidungen können richtig sein. Nur müssen sie zum Lebensstil passen. Genau deshalb sollte Ihre Rechnung Verbrauchsprofil, zukünftige Geräte und Flexibilität enthalten – nicht nur die Vergütung.
Wann Volleinspeisung trotzdem Sinn ergibt (ja, das gibt es)
Auch wenn es erstmal kontraintuitiv wirkt: Volleinspeisung kann in bestimmten Situationen gut funktionieren. Nicht als „besseres PV-Modell“, sondern als passendes Werkzeug.
- Sehr geringer Tagesverbrauch: Wenn tagsüber kaum jemand da ist, wenig läuft und ohne Speicher kaum Eigenverbrauch zustande kommt, wird Einspeisen relevanter.
- Gebäude ohne typischen Haushaltsstrombedarf: Zum Beispiel separate Dachflächen, Nebengebäude oder Hallendächer – je nach Netzanschluss, Zählerkonzept und Nutzung.
- Temporäre Strategie: Wenn Sie die PV jetzt installieren, aber größere Verbraucher (Wärmepumpe, E-Auto) erst später realistisch kommen. Dann ist es entscheidend, dass Sie vorher klären, ob und wie eine Umstellung später möglich ist.
Ein Bild, das viele sofort verstehen: Volleinspeisung ist ein bisschen wie „vermieten statt selbst einziehen“. Planbare Einnahmen sind angenehm. Aber wenn Sie eigentlich selbst drin wohnen wollen, wird es auf Dauer schräg. Genau so empfinden viele Volleinspeisung, sobald der Wunsch nach Eigenverbrauch stärker wird.
Überschusseinspeisung optimieren: So holen Sie mehr Eigenverbrauch heraus
Wenn Sie sich für Überschusseinspeisung entscheiden, haben Sie einen echten Hebel: Sie können aktiv beeinflussen, wie viel PV-Strom im Haus bleibt. Das ist kein „Technikprojekt“, das Ihr Leben übernimmt, sondern oft eine Mischung aus ein paar Gewohnheiten und optionaler Automatisierung.
Praktische Stellschrauben (ohne Technik-Overkill)
- Lastverschiebung: Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine eher dann laufen lassen, wenn die PV gerade liefert.
- Smarte Steuerung: Verbraucher automatisch starten lassen, sobald PV-Überschuss da ist (z. B. Warmwasser, Heizstab, Wallbox) – das spart Nerven und macht es alltagstauglich.
- Batteriespeicher: Kann den Eigenverbrauch erhöhen, ist aber eine eigene Rechnung (Anschaffungskosten, Zyklen, Garantie, reale Nutzbarkeit).
- Realistische Anlagengröße: Eine stark überdimensionierte Anlage produziert viel Überschuss. Das ist nicht „falsch“, aber dann hängt die Rendite stärker an den Vergütungssätzen und weniger am Eigenverbrauch.
Das Gute: Sie müssen nicht alles sofort entscheiden. Viele starten ohne Speicher und merken erst im Alltag, ob Lastverschiebung und eine einfache Steuerung schon reichen – oder ob sich weitere Technik wirklich lohnt.
Nulleinspeisung: Maximale Kontrolle, aber andere Spielregeln
Nulleinspeisung bedeutet: Sie speisen (nahezu) keinen Strom ins Netz ein. Technisch wird das über ein Energiemanagement gelöst, das bei Überschuss abregelt oder gezielt Verbraucher zuschaltet, damit möglichst nichts „rausläuft“.
Warum entscheiden sich manche dafür? Manchmal aus dem Wunsch nach Kontrolle („Ich will möglichst viel selbst nutzen“), manchmal wegen Netzanschluss-Themen oder weil man keine Einspeiseprozesse und Vergütungslogik im Alltag haben möchte. Wirtschaftlich ist Nulleinspeisung aber nur dann rund, wenn Sie wirklich einen hohen Eigenverbrauch erreichen – oder wenn Einspeisen in Ihrer Situation kaum Vorteile hätte.
Wichtige Einordnung
- Sie verzichten bei Nulleinspeisung bewusst auf Einnahmen aus der Einspeisevergütung.
- Das Modell kann passen, wenn Sie viel Strom sinnvoll „wegschaffen“ können, z. B. mit Wärmepumpe, E-Auto, Warmwasserstrategie oder steuerbaren Verbrauchern.
- Klärung ist Pflicht: Wie wird technisch gemessen und geregelt, damit es im Alltag nicht nervt? Eine Abregelung an knalligen Sonnentagen kann sich sonst wie „verschwendete Ernte“ anfühlen.
Wenn Sie beim Gedanken an ungenutzten Solarstrom innerlich zucken, ist Nulleinspeisung wahrscheinlich nicht Ihre Lieblingsoption. Trotzdem gehört sie in einen sauberen Wirtschaftlichkeitsvergleich, weil sie in manchen Setups erstaunlich gut funktionieren kann.
Typische Planungsfehler – und wie Sie sie vermeiden
Viele Fehlentscheidungen passieren nicht, weil jemand „nicht rechnen kann“, sondern weil im Angebot die falsche Frage dominiert. Das sind die häufigsten Stolpersteine, die ich immer wieder sehe:
- Vergütungssätze werden mit „Gewinn“ verwechselt, ohne den Wert des Eigenverbrauchs dem Netzstrompreis gegenüberzustellen.
- Man wählt Volleinspeisung und plant danach Wallbox/Wärmepumpe – und merkt zu spät, dass Eigenverbrauch nicht erlaubt ist und das Konzept im Alltag beißt.
- Man verlässt sich auf grobe Online-Rechner, ohne das eigene Lastprofil (tagsüber/abends, Wochentage/Weekend) ehrlich anzuschauen.
- Man denkt zu statisch: Ein Haushalt bleibt selten 20 Jahre identisch. Homeoffice, Kinder, E-Auto, Klimatisierung – das kann sich schneller ändern, als man heute glaubt.
Eine gute Entscheidung fühlt sich nicht nur rechnerisch okay an, sondern auch alltagstauglich. Wenn Sie schon jetzt spüren, dass Sie Ihren Strom gern selbst nutzen möchten, ist das ein ziemlich klares Signal Richtung Überschusseinspeisung.
So treffen Sie die Entscheidung: kleines Schema, großer Effekt
Wenn Sie nicht im Zahlennebel hängen bleiben wollen, hilft ein pragmatisches Vorgehen. Nicht perfekt, aber effektiv:
- Schätzen Sie Ihren möglichen Eigenverbrauch realistisch ein (Tagesverbrauch, Anwesenheit, planbare Geräte, Warmwasser/Heizung).
- Prüfen Sie Ihre Pläne für die nächsten Jahre: Wallbox? Wärmepumpe? Klimagerät? Dann ist Überschusseinspeisung in vielen Fällen der naheliegende Weg.
- Vergleichen Sie Szenarien im Wirtschaftlichkeitsvergleich: Überschuss vs. Voll vs. Nulleinspeisung – und zwar mit denselben Annahmen (Strompreis, Ertrag, Invest, Wartung, ggf. Speicher).
- Lesen Sie das Kleingedruckte zur Umstellung und möglichen Bindungen, besonders wenn Sie wegen EEG 2024 oder Gesetzesentwurf -Diskussionen „taktisch“ wählen wollen.
Das ist keine Raketenwissenschaft. Es ist eher die Art von Klarheit, die Ihnen später sehr viel Ärger erspart – weil Sie eine Entscheidung treffen, die auch in zwei, drei Jahren noch zu Ihrem Leben passt.
Fazit: Die beste Einspeise-Entscheidung ist die, die zu Ihrem Leben passt
Am Ende entscheidet nicht nur die Einspeisevergütung, sondern Ihr Alltag. Überschusseinspeisung ist für viele Haushalte der natürliche Weg: Erst den Eigenverbrauch decken, dann den Überschuss einspeisen und damit den Netzbezug drücken. Das fühlt sich stimmig an – und ist häufig wirtschaftlich stark, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde teuren Stromkauf ersetzt.
Volleinspeisung kann mit höheren Vergütungssätzen locken und durch EEG 2024 bzw. den Gesetzesentwurf phasenweise noch attraktiver wirken. Der Preis ist allerdings klar und nicht verhandelbar: Eigenverbrauch ist nicht erlaubt. Wer mittelfristig ein E-Auto laden oder eine Wärmepumpe betreiben will, sollte das nicht als Randnotiz behandeln, sondern als zentrale Entscheidungsfrage. Und ja, auch Nulleinspeisung kann passen – aber nur, wenn Sie sehr konsequent selbst nutzen können und bewusst auf Einspeise-Einnahmen verzichten möchten.
Meine Empfehlung: Rechnen Sie nicht nur ein Szenario, sondern drei (Überschuss, Voll, Null) – und zwar mit Ihrem realen Verbrauch und dem, was in den nächsten Jahren wahrscheinlich dazukommt. Wählen Sie dann das Modell, bei dem Sie später nicht vor dem Wechselrichter stehen und denken: „Eigentlich habe ich Strom ohne Ende – aber nicht für mich.“ Welche Lösung passt besser zu Ihrem Alltag: planbare Einnahmen oder maximale Selbstnutzung?
FAQ
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Volleinspeisung und Überschusseinspeisung?
Bei der Überschusseinspeisung nutzen Sie Ihren Solarstrom zuerst selbst. Nur der Rest geht ins Netz und wird über die Einspeisevergütung bezahlt. Bei der Volleinspeisung ist es umgekehrt: Alles geht ins Netz – und Eigenverbrauch ist nicht erlaubt. Dieser Punkt wirkt im Angebot manchmal wie eine Formalie, ist im Alltag aber der große Unterschied.
Warum darf ich bei Volleinspeisung keinen Eigenverbrauch haben?
Weil das Modell darauf ausgelegt ist, dass Ihre Anlage als reiner Einspeiser läuft. Ein typischer Moment: Mittags läuft die PV auf Hochtouren, Sie stehen in der Küche, machen Kaffee – und der Haushaltsstrom kommt trotzdem aus dem Netz. Das fühlt sich im ersten Moment „falsch“ an, ist aber genau die Logik der Volleinspeisung.
Was ist meist wirtschaftlicher: Eigenverbrauch oder Einspeisen?
In vielen Fällen ist Eigenverbrauch wirtschaftlich stärker, weil er teuren Netzstrom ersetzt. Entscheidend ist aber Ihr Profil. Ein schneller Wirtschaftlichkeitsvergleich sollte immer diese Punkte enthalten:
- Strompreis (Netzbezug) vs. Vergütungssatz
- Ihre Tagesnutzung (z. B. Homeoffice, Wärmepumpe, Wallbox, Warmwasser)
- Alternativen wie Nulleinspeisung und ggf. Speicher
Kann ich später von Volleinspeisung auf Überschusseinspeisung wechseln?
Das kann möglich sein, ist aber nicht immer „mal eben“ erledigt und kann an Bedingungen hängen. Prüfen Sie deshalb früh, was die aktuellen Regeln rund um EEG 2024 und den jeweiligen Gesetzesentwurf vorsehen – und ganz praktisch: was Netzbetreiber, Messkonzept und die gewählte Auslegung Ihrer Anlage zulassen.

