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BMW und E.ON starten Deutschlands erstes kommerzielles Vehicle-to-Grid-Angebot für Privatkunden

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    BMW und E.ON haben ein gemeinsames Paket für bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid, V2G) für Privatkunden auf den Markt gebracht. Das Angebot kombiniert die BMW Wallbox Professional, einen speziellen Ökostrom-Tarif und ein Bonusmodell, das Elektrofahrzeug-Besitzer für das Bereitstellen von Netzkapazität entlohnt. Damit wird das bislang von Pilotprojekten dominierte V2G-Segment in die kommerzielle Phase überführt und eröffnet privaten Nutzern die Möglichkeit, ihre Fahrzeugbatterien zur Netzstabilisierung zu nutzen und gleichzeitig Einnahmen zu erzielen.

    Das V2G-Paket: Wallbox, Stromtarif und Bonusmodell

    Das Produktpaket umfasst drei zentrale Komponenten:

    • BMW Wallbox Professional – eine der wenigen bidirektionalen Wallboxen für den Heimgebrauch mit einer Ladeleistung von 11 kW.
    • E.ON Ökostrom Home & Drive V2G – ein Stromtarif, der einen Einspeisevertrag und ein intelligentes Messsystem ( Smart Meter ) beinhaltet.

    Eine Sonderaktion bietet den ersten 100 Kundinnen und Kunden einen Rabatt von 700 Euro auf die Wallbox.

    Technische Voraussetzungen und Fahrzeugkompatibilität

    Das V2G-Angebot ist derzeit nur mit Fahrzeugen der BMW-„Neuen Klasse“ nutzbar. Als Startmodell dient der iX3, weitere i-Modelle der Neuen Klasse sind für den Rollout geplant. Die technischen Voraussetzungen im Überblick:

    • Bidirektionale Wallbox BMW Wallbox Professional mit 11 kW Ladeleistung (2026).
    • Intelligentes Messsystem (Smart Meter) für die Erfassung von Ansteckzeiten und Energieflüssen.
    • Kompatible Fahrzeugmodelle: iX3 + weitere i-Modelle der Neuen Klasse (2026).

    Ein Retrofit älterer Modelle ist technisch und wirtschaftlich nicht vorgesehen.

    Bidirektionale Wallbox BMW Wallbox Professional

    Die Wallbox ermöglicht sowohl das Laden als auch das Entladen des Fahrzeugs. Sie zählt zu den ersten marktreifen bidirektionalen Ladestationen für private Haushalte und ist ein zentrales Element, um die V2G-Funktionalität zu realisieren.

    Algorithmus und automatisierte Netzintegration

    BMW und E.ON haben gemeinsam einen Algorithmus entwickelt, der Lade- und Entladevorgänge automatisch steuert. Der Algorithmus berücksichtigt:

    • Aktuelle Netzbedarfe und Strompreise.
    • Intelligente Schutzfunktionen, um die Hochvoltbatterie im optimalen Betriebsbereich zu halten.
    • Die Möglichkeit für Kundinnen und Kunden, über die myBMW-App Ladeziele zu setzen und die V2G-Funktion zu aktivieren oder zu deaktivieren.

    Das System bietet automatisches Lastmanagement und optimiert die Nutzung der Fahrzeugbatterie für das Stromnetz.

    V1G als Einstiegsmodell für breitere Zielgruppe

    Parallel zum V2G-Modell wird ein unidirektionales Modell (Vehicle-One-Grid, V1G) angeboten. V1G verschiebt den Ladevorgang in Zeiten niedriger Strompreise und hoher erneuerbarer Erzeugung, typischerweise zwischen 0 und 6 Uhr. Die wichtigsten Merkmale:

    • Jährlicher Bonus von bis zu 240 Euro plus ein zusätzlicher Neukundenbonus von 50 Euro im E.ON ÖkoStrom Home & Drive Tarif.
    • Kompatibel mit allen AC-Ladesystemen, darunter BMW-Wallbox Plus, MINI-Wallbox Plus, Multifunction Charger und weitere AC-Ladelösungen.
    • Keine bidirektionale Hardware erforderlich, wodurch das Modell für Besitzer älterer Elektrofahrzeuge attraktiv ist.

    Wettbewerbslandschaft: Ford und Octopus Energy als Konkurrenzangebot

    Ein weiteres kommerzielles V2G-Angebot stammt von Octopus Energy in Zusammenarbeit mit Ford. Im Vergleich zum BMW/E.ON-Modell ergeben sich folgende Unterschiede:

    • Monatlicher Bonus von 30 Euro (gegen maximal 60 Euro bei BMW/E.ON).
    • Fester Ladepreis von rund 15 Cent/kWh (gegen variable Tarife bei BMW/E.ON).
    • Kostenlose ladbare Energie von 2.400 kWh pro Jahr (gegen 14.000 km Jahresreichweite, berechnet aus dem BMW-Bonus).
    • Verwendung einer V2G-Wallbox von Ambibox statt der BMW Wallbox Professional.

    Der Markt bietet somit unterschiedliche Geschäftsmodelle: BMW setzt auf variable Bonusierungen und transparente App-Steuerung, während Octopus Energy auf kalkulierbare Preise und feste Boni setzt.

    Markt- und Regulierungsumfeld: Reifegrad von V2G in Deutschland

    Vehicle-to-Grid befindet sich noch in einem frühen Marktstadium. Bisher waren V2G-Lösungen auf Pilotprojekte und regional begrenzte Tests beschränkt. Wichtige Meilensteine:

    • Erste Ankündigung auf der IAA Mobility in München im September 2025.
    • Kommerzielle Markteinführung für Privatkunden im Februar 2026 – das komplette Paket aus Wallbox, Tarif und Smart Meter ist bestellbar.
    • Regulatorische Rahmenbedingungen, wie Einspeiseverträge und Netzanschlussvoraussetzungen, öffnen sich erst jetzt für breit angelegte Privatkundenlösungen.

    Wirtschaftliche Kennzahlen und Berechnungsbeispiele

    • V2G-Ansteckbonus pro Stunde: 24 Cent.
    • Maximaler Jahresbonus: 720 Euro.
    • Maximaler Monatsbonus: 60 Euro.
    • Vergütung für rückgespeiste kWh: 40 Cent.
    • Beispielverbrauch BMW iX3: 15,1 – 17,9 kWh/100 km.
    • Beispiel-Arbeitspreis: 32,97 Cent/kWh.
    • Reichweite, die allein durch den Jahresbonus gedeckt werden kann: bis zu 14.000 km.
    • V1G-Jahresbonus: bis zu 240 Euro plus 50 Euro Neukundenbonus.
    • Erste 100 V2G-Kunden erhalten einen Wallbox-Rabatt von 700 Euro.

    Risiken und kritische Punkte

    • Begrenzte Fahrzeugkompatibilität: Das V2G-Angebot funktioniert nur mit der Neuen Klasse (iX3 und weitere i-Modelle). Ältere E-Fahrzeuge sind ausgeschlossen.
    • Abhängigkeit von Netzgebühren und variablen Stromtarifen: Das Bonusmodell nutzt pauschale Stundensätze, während Einspeisevergütungen regional variieren können.
    • Batterie-Alterung durch häufiges Laden/Entladen: Trotz intelligenter Schutzfunktionen könnten häufige Zyklen den Verschleiß der Hochvoltbatterie beschleunigen.
    • Konkurrenzangebote mit besseren Konditionen: Octopus Energy/Ford bieten garantierte 2.400 kWh/Jahr kostenlos und stabile Preise von 15 Cent/kWh.
    • Smart-Meter-Installation: Das erforderliche Messsystem kann zusätzliche Kosten und Installationshürden mit sich bringen.

    FAQ

    Wer profitiert mehr: Ein Vielfahrer oder jemand mit kurzen Pendelstrecken?

    Das pauschale Bonusmodell (24 Cent pro Ansteckstunde) begünstigt Haushalte, die ihr Auto regelmäßig angesteckt lassen – unabhängig von der gefahrenen Strecke. Vielfahrer können zusätzlich von der 40-Cent-Vergütung für rückgespeiste kWh profitieren, während Gelegenheitsfahrer weniger Nutzen ziehen.

    Welche Rolle spielt Netzstabilität beim V2G-Betrieb?

    Der BMW-E.ON-Algorithmus optimiert Laden und Entladen basierend auf Netzfrequenzen und Strompreisen. Dadurch wird das Netz durch dezentrale Speicherkapazität stabilisiert und Kunden verdienen an ihrer Flexibilität.

    Ist der 14.000-km-Richtwert realistisch?

    Die Berechnung basiert auf dem maximalen Jahresbonus von 720 Euro, einem Verbrauch von 15,1 – 17,9 kWh/100 km und einem Strompreis von 32,97 Cent/kWh. Sie ist theoretisch korrekt, setzt jedoch konstante Ansteckzeiten voraus; individuelle Ergebnisse können abweichen.

    Warum funktioniert das V2G-Angebot nur mit der Neuen Klasse?

    Die Neue Klasse verfügt über optimierte Batteriearchitektur und Software für bidirektionale Ladevorgänge. Ältere Modelle besitzen diese Technik nicht, ein Retrofit wäre technisch komplex und wirtschaftlich wenig attraktiv.

    Wie unterscheidet sich V2G von V1G?

    V2G erlaubt bidirektionale Energieflüsse – Fahrzeuge speisen Strom zurück und erhalten 40 Cent/kWh plus Ansteckbonus. V1G verschiebt nur das Laden in günstige Nachtstunden, ohne Rückspeisung, und bietet einen Jahresbonus von bis zu 240 Euro. V1G ist mit allen AC-Ladesystemen kompatibel, V2G benötigt die bidirektionale Wallbox.

    Fazit

    Das gemeinsame Angebot von BMW und E.ON markiert einen wichtigen Schritt von Pilotprojekten hin zu einer marktreifen V2G-Lösung für Privatkunden in Deutschland. Durch die Kombination aus bidirektionaler Wallbox, intelligentem Tarif und einem klar strukturierten Bonusmodell können Fahrzeugbesitzer aktiv zur Netzstabilität beitragen und gleichzeitig Einnahmen generieren. Gleichzeitig zeigen die technischen Voraussetzungen und die eingeschränkte Fahrzeugkompatibilität, dass das Modell zunächst auf die neue Fahrzeuggeneration fokussiert ist. Der Markt wird durch Konkurrenzangebote wie das von Octopus Energy/Ford weiter belebt, sodass Kunden je nach Nutzungsprofil zwischen variablen Boni und festen Preisgarantien wählen können. Trotz bestehender Risiken – etwa Batteriedegradation und zusätzliche Smart-Meter-Kosten – eröffnet das V2G-Paket neue Geschäftsmodelle im privaten Sektor und legt den Grundstein für eine breitere Integration von Elektrofahrzeugen in das Energiesystem.

    Carsten Steffen
    Autor: Carsten Steffen
    Carsten Steffen, Gründer von photovoltaik.sh, bringt sein tiefes Verständnis für Photovoltaik und seine Begeisterung für erneuerbare Energien ein, um Kunden in Schleswig-Holstein seit 2021 schneller und kostengünstiger zu ihrer eigenen Photovoltaikanlage zu verhelfen. Ermöglicht wird das Dank der Zusammenarbeit mit lokalen Solarteuren. Regelmäßige Schulungen runden unsere Expertise ab. Mit der Gründung von photovoltaik.sh sind wir Ihr vertrauenswürdigen Partner für alle, die ihren Stromverbrauch nachhaltig gestalten möchten.
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